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02/08/2002: "Weiße Blume" zieht's nach Asien
geschrieben von Thomas
Ein Artikel aus der Weseler Lokalausgabe der NRZ vom 26. Juli 2002.
NRZ-Mitarbeiterin Carolin Reintjes nimmt bald ihre Arbeit in einem abgelegenen indischen Dorf auf. HAMMINKELN. Zu Familie Sripueak aus dem südthailändischen Tha Sala hat sie immer noch Kontakt. Beinahe täglich erhält NRZ-Mitarbeiterin Carolin Reintjes aus Mehrhoog eine Mail von Ohm. Den Sohn des Hauses, das inmitten einer riesigen Obstplantage mit zahllosen exotischen Früchten liegt, lernte sie vor einem Jahr während eines Workcamps des Christlichen Friedensdienstes in Bangkok und Ayutthaya kennen. Dort unterrichtete sie Englisch in einer Schule und an der Uni, leistete Gartenarbeit in einem Tempel und spielte mit behinderten Kindern in einem Heim. Asien hat sie seither nicht mehr losgelassen, und so kommt es, dass die 20-Jährige am Montag gleich für mehrere Monate auf- und davonfliegt, Richtung Osten - versteht sich.
Myanmar, Thailand und Kambodscha
Von Frankfurt gehts nach Bangkok, dann weiter für zweieinhalb Wochen nach Myanmar (ehemals Birma), wieder zwei Wochen nach Thailand, zwei weitere nach Kambodscha und schließlich nochmal 14 Tage zu Familie Sripueak, die schon sehnsüchtig auf Malee wartet. Das ist nämlich Carolins thailändischer Spitzname, der für "Weiße Blume" steht. Ihre weiße Haut ist es, die vor allem die Damen der Sripueaks besonders fasziniert. Alle verstehen sich blendend, auch wenn dies manchmal nur mit Händen und Füßen der Fall ist. Ein wenig Thai kann die Mehrhoogerin, die im Frühjahr am Konrad-Duden-Gymnasium ihr Abi gebaut hat, allerdings schon. Feilschen auf dem Markt zum Beispiel, im Restaurant bestellen oder dem Taxifahrer sagen, dass er doch bitteschön das Taxameter anstellen soll - für die 20-Jährige ist das längst kein Problem mehr. Das fanden die thailändischen Gastgeber natürlich prima, bedachten Carolin zum Abschied mit alten Münzen ihres Landes und einem Buddha-Amulett als Glücksbringer. Wenn sie in ein paar Wochen in Tha Sala ankommt, hat sie im Gegenzug die gewünschten deutschen Briefmarken im Gepäck. Denn die sind heiß begehrt, ebenso wie das Euro-Starter-Kit, das sie den Thailändern zu Weihnachten schickte. Nach Tha Sala ist die Reise, die sie bis dahin zusammen mit Schwester Kathrin (22) unternimmt, übrigens noch lange nicht beendet, fängt sozusagen erst richtig an. Dann macht sie sich über die Organisation "ijgd", was für Internationale Jugendgemeinschaftsdienste steht, auf nach Indien. Am 28. September steigt die unternehmungslustige Niederrheinerin in den Flieger nach Delhi, um Siddhart zu treffen. Mit dem Betreuer der indischen Einrichtung "Dakshinayan" wird sie absprechen, wo sie das nächste halbe Jahr im Einsatz ist. Zum Beispiel in Cheo. Das Wort steht nicht nur als Abkürzung für "Children Health Education Organisation", sondern ist auch der Name eines Dorfes im Staat Bihar, in dem Carolin vielleicht arbeiten wird: Englisch unterrichten und ernten, Häuser bauen und reparieren - die Hamminkelnerin trifft nämlich zum Ende der Regenzeit ein, wo es erfahrungsgemäß an den strohgedeckten Lehmhütten viel zu tun gibt - all dies könnte den Alltag des nächsten halben Jahres bis Februar bestimmen. Möglicherweise landet sie aber auch im Staate Uttaranchal, der an Nepal und Tibet grenzt. Hier wäre ebenfalls Englischunterricht angesagt und das Thema Ökotourismus. Dem könnte Malee mit eigenen Ideen auf die Sprünge helfen. Acht Tage Vorbereitung in Kassel hat Carolin hinter sich, zusammen mit Rückkehrern, Einheimischen und Migranten. Vielleicht trifft sie in Indien mit einer Freiwilligen aus Geldern zusammen, denn zu zweit sind die Volontäre immer an einem Ort. Das ist sicher auch nötig, wenn man bedenkt, dass etwa in Cheo der große Markt in siebenstündiger Entfernung liegt. Vier Stunden zu Fuß und drei Stunden mit dem Bus - dafür gibts einmal im Monat einen freien Tag. Schließlich muss dieselbe Zeit für die Rückfahrt noch einmal aufgebracht werden. Und: Hier besteht die einzige Möglichkeit, telefonisch Kontakt zur Heimat aufzunehmen.
Ein Termin gab den Anstoß
Die Liebe zu Asien hat Carolin Reintjes ursprünglich einem Termin der NRZ zu verdanken. Der war im Winter 2000 beim Weseler Kawohl-Verlag. Dokumentarfilmer des ZDF zeigten damals mehrere ihrer Aufnahmen, unter anderem einen Dreh über Josephine, ein Mädchen aus Manila, das beim Zusammenbruch einer Müllhalde gestorben ist. Das gab den Anstoß, mehr über Asien zu erfahren, wobei vor allem das Internet eine gute Quelle war. Mittlerweile existiert kaum ein Thailand- oder Indien-Reiseführer, den Carolin noch nicht gelesen, kaum eine Impfung, die sie nicht erhalten hat. Zehn waren es bestimmt, von Typhus über Tollwut bis hin zu Hepatitis und Japanischer Enzephalitis. Und doch könnte der Ursprung der Asiensehnsucht auch familiär begründet sein. Denn zwei Vettern ihres Vaters erkundeten bereits 1952 Indien - mit ihrem alten Mercedes ab Kleve. Da können selbst wild lebende Tiger in Cheo und klauende Affenbanden in Delhi nicht schrecken. Mit einem Rucksack und einer Tasche voller Bücher gehts übermorgen los. Nervös? "Nö", sagt Carolin, "ich freu mich schon auf die erste eisgekühlte Ananas." Ob wir unsere Mitarbeiterin im März wiedersehen, ist fraglich. Sollte sie ihren gewünschten Studienplatz in Passau - Diplom Sprachen - Wirtschaft - Kulturwissenschaften - nicht zum Sommersemester bekommen, könnte es Verlängerung geben. In Indien oder in Nepal, wo sie eigentlich hin wollte, aber wegen des Bürgerkrieges nicht hin konnte.
PETRA HERZOG
Antworten: 2 Kommentare
Hatred comes from the heart; contempt from the head; and neither feeling is quite within our control. by texas holdem poker
geschrieben von texas hold'em @ 20/12/2004 08:26 PM MEZ
ich finde es toll, dass ihr nach thailand gereist seid, auch wenn die sache mit josephine ein trauriger anlass ist. warum war sie auf der müllhalde? dies sendet euch alina
geschrieben von alina mengeler @ 01/09/2002 05:58 PM MEZ
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