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11/12/2002: Zwei Monate im Projekt Dakshinayan (Oktober, November)

geschrieben von Carolin
Namaste!

Zwei Monate habe ich mit Dakshinayan im wilden Jharkhand, im Osten Indiens vebracht. Es waren schlechte Zeiten und es waren gute Zeiten. Nun bin ich (vorlaeufig) abgereist und die guten Erinnerungen ueberwiegen deutlich...

Die ersten Wochen:

Paharpur, Cheo und Barai, die drei Orte in denen Dakshinayan aktiv ist, liegen im Norden Jharkhands, direkt an der Grenze nach Bihar, 60km von der Grenze nach Bangladesh, 40km von der Stadt Godda entfernt. (Godda ist auf Landkarten zu finden)
Die Region wird hauptsaechlich von Menschen der Paharia- , Santali- und Kol-Staemmen bewohnt. Sie sind sehr arm, aber auch sehr glueckliche Menschen. Die Region ist fuer Auslaender wegen ihrer Sensibilitaet nicht zugaenglich. Dakshinayan hat eine Sondergenehmigung, sollte jedoch irgendetwas geschehen, duerfen keine Volontaere mehr einreisen. Deshalb wurden wir gut behuetet:-)

Schwer war es nicht, sich einzuleben in Paharpur. Das groesste Problem war nur, am Morgen nach unserer naechtlichen Ankunft, nach ueber 24-stuendiger Reise, um 5 Uhr aufzustehen. Aber so war es nunmal und daran habe ich mich auch schnell gewoehnt. In Paharpur lebten Alex, Karyn und ich mit 8 Kindern in einem kleinen Haus. Daneben die Schule mit drei Klassenzimmern, eine kleine Kueche mit Feuerstelle, ein Brunnen, ein Chili-Garten und eine "Terasse".

Es war ziemlich warm und anstrengend, wir haben direkt am ersten Morgen unterrichtet und mussten natuerlich etliche Namen lernen, die natuerlich auch noch alle schoen kompliziert waren...
Die meisten Kinder waren aber auch richtig suess. Wir haben direkt mal Bruder Jakob in allen moeglichen Sprachen gesungen:-)
Ziemlich schnell sind wir in eine Routine gekommen. Aufstehen zwischen 5 und 5.30 Uhr. Rausgehen, in die Felder (herrliche Landschaft) und den SOnnenaufgang gucken, Tee um 6 Uhr, Fruehstueck machen (reisflakes oder nudelpampe), waschen, duschen, holz sammeln, unkraut rupfen, fegen...ueber die mauer gucken und die Hirten mit ihren Herden vorbeiziehen sehen...
Irgendwann dann auf dei Schule vorbereiten. Um 10 Uhr kamen die Kinder, um 10.30 Uhr wurden ein paar Hymnen gesungen, um 11 Uhr fing der Unterricht an, um 12 Uhr Mittagessen, um 1 Uhr die zweite Klasse, bis 3 Uhr die dritte. Bei den grossen (die Ashram-Kids) konnten wir alles moegliche unterrichten, Erdkunde, Geschichte, Englisch...sie haben alles verstanden, weil sie eben immer mit den Volos zusammenleben. Bei den mittleren war es schon schwieriger, ich war sehr froh ueber die Unterrichtsmaterialien, die ich mitgenommen habe aus deutschland. So habe ich in der Klasse erreicht, dass auf die Frage "How are you" nicht immer nur mit "fine" geantwortet wurde, sondern mit immer neuen Adjektiven, die wir gelernt haben. (Lustig war, wenn jemand antwortete "stupid", weil er eben die Bedeutung der VOkabel noch nicht verstanden hatte...)
BEi den ganz Kleinen war es sehr schwer zu unterrichten. Die juengsten in dieser Klasse waren gerade mal 2 oder 3 Jahre alt, die Aeltesten 8. So hatten wir Kinder, die einfach dagelegen und geschlafen haben und Kinder, die lesen und schreiben konnten, Kinder die keinen Buchstaben des Alphabets richtig malen konnten und Kinder, die immer nur herumtoben wollten...UFF. Naja, wir haben das Problem ganz gut geloest, indem wir die Klasse in drei Gruppen aufgeteilt haben und dann je eine Gruppe betreut haben. So konnten die Aelteren lernen, die mittleren malen und die ganz kleinen Bilderbuecher ansehen.
Nach dem Unterricht war dann Freizeit. Oft bin ich in eines der Doerfer gegangen, Paharpur links oder Bariarpur rechts die Strasse entlang. Dort war es immer sehr interessant, den Menschen zuzusehen, einen BLIck in ihre Haeuser zu werfen und sich mit Kindern zu "unterhalten". (Sie schreien einen immer an: "Hello, byebye, Thank you")
Zum Sonnenuntergang bin ich oft auf einen Huegel, von dem aus man ueber ein tal von Reisfeldern zum Horizont blickte, ganz weit entfernt Berggipfel sehen konnte. Sehr sehr schoen. Manchmal habe ich auch laengere Spaziergaenge gemacht, habe Wasserfaelle und Seen entdeckt, alten Maennern beim Waschen ihrer Wasserbueffel zugesehen, Schueler zuhause besucht usw. Das waren so 6 bis 12 Kilometer Trips.
ZU unseren weiteren Aufgaben gehoerte es noch, die Toepfe zu waschen und beim Gemueseschnibbeln zu helfen. Morgens, mittags, nachmittags. Toepfe waren immer schwarz, weil ja auf dem Feuer gekocht wurde. Wir haben sie mit Erde abgeschrubbt, als Spuelbuerste trockene Bananenblaetter - immer frisch, alles natuerlich, alles sauber. Am Brunnen abspuelen und blitzeblank...
Das Gemueseschnibbeln war da schon anstrengender, schliesslich wurde fuer 3 Volos, 9 Kinder, zwei Lehrer und Rajkanna, den Projektchef, gekocht. Es war auch immer schon dunkel, wir sassen in der Kueche und haben geschnitten und geschnitten und geschnitten und alle sassen um uns rum und haben zugesehen. Das war nicht so toll.
Mittwochs wurden nach der Schule immer alle Raeume gereinigt. Dazu sind die Kids in die Felder raus und haben Kuhscheisse (dung) gesammelt. das haben wir mit Wasser gemixt und ueber die Boeden gestrichen. Soll eine desinfizierende Wirkung haben. Donnerstags war Schulfrei, da in Chandana Markt ist. Volontaere aus Paharpur durften dort aber nicht hin, nur die aus Cheo, damit die Menschen nicht so viele AUslaender aufeinmal sehen. Unser Markttagg war Samstag, da sind wir 3km nach Damruh gelaufen und konnten alles kaufen, was das Herz begehrt: Biscuits, Kerzen, Limonen. Es waren aber immer tolle Tage, grosses buntes Treiben, viel zu sehen, obwohl natuerlich alles winzig klein...:-)

Es gab viele Sachen, die in diesem ersten Monat schief gelaufen sind, die uns unsere Laune verdorben haben und die irgendwie nicht richtig schienen:
Ich habe den Auftrag bekommen in die Klassenraeume der Mittleren und der Juengsten Kids ein Alphabet an die Blechwand (aus Keksdosen) zu malen. Habe ich gemacht, hat einige Tage gedauert, ist toll geworden. Sobald es fertig war allerdings hat Rajkanna die Klassenraeume der Juengsten und Aeltesten getauscht, so dass die Kleinen immernoch kein Alphabet hatten und die, die schon alles koennen ein Alphabet an der Wand hatten. Der Grund: die unterschiedliche Groesse der Klassenraeume...Stimmt aber nicth, waren alle gleichgross und ich habe mich gefragt, was das fuer ein komisches Verhalten ist.
Wir haben uns auch nie ausgelastet gefuehlt. Viel zu viel Freizeit, keine Arbeitsauftraege und leider auch noch ausgangssperre, weil gerade Festivals waren und angeblich viele Betrunkene auf der (einen, einzigen) Strasse unterwegs seien. (Natuerlich alles Quatsch, aber so waren die Worte Rajkannas). Wir haben es nicht verstanden.
Insgesamt war eigentlich nichts wirklich so, wie Siddharth es uns in Delhi beschrieben hat. Mit den Menschen in den Doerfern hatten wir nicht viel zu tun - was sollte man auch tun? In ihr Haus laufen und anfnagen ihr Holz zu hacken? Das war ziemlich schade.
Wir haben eigentlich abgeschottet von der Aussenwelt gelebt. schade, schade.

Dann gab es Veraenderungen. Ende Oktober ist Rajkanna nach Delhi gefahren, um die neuen Volontaere abzuholen. Aufeinmal waren alle viel gelassener, die Kinder haben gelacht (was sie sonst nicht oft taten) und mit uns Ballgespiel usw.
Anfang November bin ich fuer eine Woche nach Cheo. Mit Alex (England) und Fernando (Argentinien). Cheo liegt auf einem Berg, oberhalb von Paharpur. Die Kinder, die mit uns in Paharpur gelebt haben und die neue Awareness-Generation werden sollen, irgendwann mal das Projekt uebernehmen sollen, kommen alle urspruenglich aus Cheo. WIr haben also gut zwei Stunden gebraucht, um auf den Berg zu klettern, mit unseren Rucksaecken, ueber felsige Wege, alles nicht ungefaehrlich, mitten durch den Dschungel. In Cheo hatte ich mein eigenes Zimmer und es waren keine Maeuse mehr darin!!!!!!!!!! (EIne Maus in Paharpur hat kraeftig von meinem Rucksack gespeist). Dafuer hatte ich aber jede Menge Spinnen und niemanden, der sie fuer mich entfernen wuerde, (deshalb habe ich mich immer unter meinem moskitonetz aufgehalten).
Tagesablaeufe in Cheo waren ganz anders als in Paharpur. Es musste nur noch fuer uns paar Leute gekocht werden und es gab keinen Brunnen direkt vor der Tuer - wir mussten ueber den halben Berg zu einem anderen Dorf laufen. Morgens um 7 Uhr zum ersten Trip mit sechs Eimern, Nachmittags nochmal. Das war sehr sehr anstrengend. In Cheo hat der Unterricht auch draussen stattgefunden. Die Kinder konnten das Alphabet noch nicht und sie waren um einiges dreckiger als die Kinder in Paharpur, was eben daran liegt, dass es schwerer ist an Wasser zu kommen (und das Wasser sich in den Eimern hoechstens fuer 2 Stunden haelt, danach irgendwie ungeniessbar wird). Viele Kinder hatten uebelste Hautkrankheiten.
Das Dorf Cheo war sehr schoen, sehr ruhig natuerlich. Ich habe es wirklich genossen. Allerdings war das AUskommen mit Alex und Fernando nicht sehr gut. Sie sind morgens bis 11 Uhr im Bett gebliebe (um 11 gab es schon Mittagessen!!) haben mit keiner Arbeit geholfen, haben nicht unterrichtet und so ziemlich alle Regeln gebrochen, die man brechen konnte. (Zum Markt gehen, Fleisch essen, Alkohol trinken etc., alles was den Ruf der Organisation extrem schaedigt). Ich habe schliesslich aufgegeben und bin zurueck nach Paharpur gewandert.
Dort kamen Siddharth und Lily mit weiteren Volontaeren aus Delhi an. Siddharth ist der Gruender und Chef von Dakshinayan, Lily eine Mitarbeiterin. Die neuen VOlos: Yurika aus Japan, die kein Englisch spricht und Peter und Laurie, das Ehepaar aus Kanada. Ich bin nun nach Barai "versetzt" worden. DOrt waren bisher eigentlich Martin aus Freiburg und Tomoya aus Japan, aber Tomoya hatte Malaria und ist nach Pakistan weitergereist und Martin hatte Malaria, ist in ein Krankenhaus in Kalkutta gegangen, das ihn abgezockt hat und musste direkt nach Deutschland zurueck, sonst haette seine Versicherung nicht bezahlt. Also Barai, zusammen mit Patrick aus Wuerzburg. Und Barai war toll.

Bevor ich von der tollen Zeit in Barai berichte, muss ich aber von Siddharths Umbruch in Paharpur erzaehlen:

Siddharth ist gekommen, um das Projekt zu ueberpruefen. Er hatte in den Finanzen "Unregelmaessigkeiten" entdeckt.
Rajkanna, sein "Adoptivsohn", dem er das gesamte Projekt und die Leitung in Paharpur anvertraut hat, hat ihn sozusagen von hinten bis vorne betrogen. Er hat die Lehrer seit 6 MOnaten nicht bezahlt, er hat Nahrungsmittel auf Kredit gekauft, ueberall Schulden gemacht, immer den billigsten Reis (voller Steine) gekauft und gleichzeitig staendig Rechnungen fuer alles geschrieben und das Geld in die eigene Tasche gesteckt. NATUERLICH waren alle Leute in der Gegend schon sehr gereizt Dakshinayan gegenueber. Siddharth hat nun vor Ort mit den Menschen geredet und allerhand herausgefunden. Rajkanna hat auch Volontaere betrogen - jedesmal, wenn er irgendetwas gekauft hat, hat er zu viel Geld von den Volos genommen. Briefe hat er nie abgeschickt, aber Geld fuer's Porto kassiert. Auch Dinge wie Matten und Moskitonetze zum Schlafen oder Kerzen (weil ja keine Elektrizitaet...), die eigentlich die Organisation zur Verfuegung stellt, hat er die Volontaere kaufen lassen...ES IST JEDE MENGE ZUSAMMENGEKOMMEN. Traurig, traurig.
Jedenfalls kam der Tag da Rajkanna mit allem konfrontiert wurde und es war eine ziemlich ekelige Angelegenheit. Ihm tat nichts leid (obwohl er das natuerlich immer beteuert hat...). Er ist rausgeflogen. Klaeglich. Und schon am naechsten Tag hat Siddharth feste Tagesplaene aufgestellt. Jede Menge zu tun fuer alle, jede Menge sinnvolle Arbeit. Es wurden endlich neue Shirts und Pullover fuer die Kinder gekauft, Gitlal, der Waisenjunge und Koch, durfte nun endlich auch in die Schule und wurde mit Respekt behandelt. Paharpur war nun so, wie Siddharth es immer gesehen hat.
Ich allerdings habe nun in Barai gewohnt.

Barai ist 10km von Paharpur entfernt, liegt mitten im Wald, mitten in den Bergen und ist nur per Trampelpfad zu erreichen. Ich bin die Strecke uebrigens vier mal hin und her gelaufen...
BARAI war das, was ich gesucht hatte. Barai war herrlich.
In Barai haben wir mit einer Familie zusammen, mitten im Dorf gelebt, waren nicht mehr abgeschottet und hatten mit allem, was im Dorf so vorging was zu tun. Wir hatten ein kleines Zimmer und daneben war der "Stall" mit Kuehen, Schweinen, Ziegen. Ziemlicher Gestank. (Aber nicht so schlimm wie der von Katzenpisse, die nachts durch's Dach auf einen rieselte manchmal...)
Ab 3.30 Uhr morgens haben uebrigens saemtliche Haehne des Dorfes von sich hoeren lassen...

Jedenfalls haben wir mit Baijel udn seiner Familie gelebt. Baijel war ziemlich krank, es sah verdammt nach Hautkrebs aus, aber nichtsgenaues weiss man nicht - schliesslich gibt es keinen Arzt. Weil es ihm oft nicht gut ging, haben wir das Kochen selbst uebernommen. Generell gab's immer Reis, Daal (Linsen) und Subgji (Gemuese). Das war entweder Blumenkohl, Kartoffel oder Gangara (Bohne). Oft wurde dieses Gemuese aber knapp, da mussten wir entweder einen Kuerbis vom Dach pfluecken, eine Papaya vom Baum holen, oder gruene Bananen von der Staufe schlagen. Diese Gemuese haben nicht so toll geschmeckt. Gut war aber, dass wir auf den Feldern ums Dorf und im Wald viele Geschmacksverstaerker finden konnten. so gab es oft Senf frisch vom Feld, Koreander oder Ginger. Das machte alles viel leckerer. Das Kochen war auch immer schoen, weil es am Feuer warm war...!
Unser Geschirr haben wir in Barai mit Asche gewaschen, sei besser als Erde. Wasser mussten wir auch hier am 5min entfernten Brunnen holen gehen. So im Tonkrug auf dem Kopf, wie im Dschungelbuch. Dschungel ist uebrigens Hindi fuer Wald und Balu ist Hindi fuer Baer.
So waren auch die Duschen immer sehr aufwendig. Zum Brunnen, einen Eimer wasser holen, zurueck zum Haus, in unsere "Dusche": Zwischen zwei Hauswaenden haben wir zwei weitere Waende aus Reisstroh gebaut, so dass es einen kleinen Raum gab. dadrin konnten wir duschen, bis das Reisstroh von Kuehen und Huehnern verspeist wurde. Dann haben wir gebadet wie die Einheimischen (Kol), im Fluss.
Auch eine Toilette gab es in Barai nicht. Die Kol gehen in den Wald. Und wir gingen in den Wald. Das ist ziemlich anstrengend, denn man lauft min. 5 Minuten bis man sich "sicher" fuehlt- aufgrund der Ernaehrung musste man aber immer ziemlich ploetzlich ziemlich dringend :-) TJA. Mehr ueber TOilettengewohnheiten koennt ihr in privaten Gespraechen erfahren;-0

Das tollste an Barai waren die Kinder, die ganz anders waren als die in Paharpur oder Cheo. Sie hatten auch alle Namen wie Paulus, Manuel, Marta, Malotti...einfach zu merken und auszusprechen. Warum? DIe bloeden Missionare aus Damruh (die aber zugegebenermassen gute Arbeit leisten) haben die Kol ueberzeugt, Christen zu werden. Tja. Egal. Es waren ganz andere Christen als die in Nebraska - hier musste ich nicht leiden. Das einzige wirkliche Zeichen ihrer Religion waren die Graeber, die man zwischen den Feldern fand.
Ja, die Kinder - allesamt toll und lieb und super Schueler. Wir haben lesen gelernt. Innerhalb von vier Wochen haben Patrick und ich es geschafft vielen zu erklaeren, wie man Woerter liest. Mit kleinen Kaertchen haben wir viele Spiele gemacht, Unterschiede von HIT, HOT, HUT, HAT usw gelernt. Tolle Kids!
Taeglich waren zwei Stunden unterricht, bei uns im Haus. Sonntags war frei (am siebten Tage sollst du ruhen...)
Anders als in Paharpur gab es hier aber jede Menge andere Dinge zu tun. Die Kinder wollten mit uns Fussballspielen, die Frauen haben uns mit in den Wald zu den Bohnenhaengen genommen, um das Abendessen zu ernten, die Frauen haben uns mit zum Holzholen genommen (riesige Aeste auf dem Kopf!!), wir haben Holz gehackt, wir waren in den Kohlemienen, wir haben Reis geerntet...TOLL.
Alles sehr sehr einfaches Leben, MITTELALTERLICHE Werkzeuge, die bei uns in den Museen sind. Alles per Hand, alles mit eigener Kraft.
Die KOhlemienen waren auch sehr sehr interessant.
Einst war die Weltbank gut gelaunt und hat sich gedacht, sie koenne hier Geld schoepfen und hat in ein "entwicklungshilfe"-projekt investiert: eine Strasse nach Barai, zur Kohle. Die Strasse ist nie bis Barai gebaut worden, hoert mitten im Wald irgendwo auf und geht in einen Trampelpfad ueber. Das ganze ist sehr laecherlich...Eine riesen Strasse, gut befestigt, guter Belag, mitten in der Pampa. Die Menschen haben sich gefreut, denn auf den betonierten Flaechen kann man toll den Reis von den Huellen trennen, ohne viel Sand in die Ernte zu bekommen...Naja. Autos gibt es jedenfalls nicht auf der Strasse, die muesste man per Helikopter einfliegen...Lustig ist auch, dass dann mitten im Wald so Schilder stehen: Kurve links, Kurve rechts. Und da, wo die Strasse aufhoert udn der Trampelpfad beginnt ist ein Stop-Schild. Sehr sehr passend. Es geht dann durch einige Schluchten, durch einige Fluesse, ueberall sind riesige Felsen im Weg. Aber die Kohle wird trotzdem ueber den WEg transportiert. Maenner laden sie auf ihre Fahrraeder, 300Kilo, und schieben die Raeder ueber die Berge ins ueber 40 Kilometer entfernte Godda. Das ist eine weite weite Reise und sie bekommen sehr sehr wenig Geld fuer diese Knochenarbeit. In den Mienen selbst arbeiten Frauen und wohl auch Kinder (bin nicht 100% sicher, die Frauen nehmen halt ihre Kinder mit, aber ich habe keines wirklich Kohlen schleppen sehen). Jedenfalls muss man sich die Mienen so vorstellen: Loecher, die senkrecht in den Boden gegraben werden. Einzige Werkzeuge sind Schaufel und Picke. Ganze Huegel werden per Handarbeit abgetragen, durch Fels und Stein gegraben. Die Loecher sind alle rund 20 Meter tief und die einzigen Maschinen sind Wasserpumpen, die eben das Wasser rausbefoerdern, so dass unten die Frauen die Kohlen aus der Wand hacken und nach oben tragen koennen. (Das Wasser fliesst uebrigens in den Fluss in dem wir gebadet und gewaschen haben).
Naja. Eines dieser Loecher ist mal eingestuerzt und hat ein paar Frauen unten umgebracht. Wenn die Loecher zu gefaehrlich tief werden, werden sie geflutet. Es gibt jede Menge Kohle udn alle rechnen damit, dass irgendwann dochmal die Regierung die Mienen uebernimmt (zur Zeit sind sie privat und jeder kann hingehen und sich Kohlen schaufeln).
Ein Tag in der Miene ist sehr sehr deprimierend.

Weitere Arbeiten in Barai: Schule bauen. Dakshinayan baut seine eigene Schule. Es wurden uns 7000 Steine geliefert, alle auf Haufen gekippt und wir mussten sie in Reihen stapeln und zaehlen. Nun wird ein Schule gebaut, dann ein Volo-Haus, dann ein Klo, dann eine Kueche.

Barai war toll.

Am 9.12. bin ich aus Barai abgereist, aus verschiedenen Gruenden, hauptsaechlich aber, weil ich das Himalaya sehen will, bevor es ab Januar im Nebel und in WOlken verschwindet. Im Dezember ist es naemlich noch extrem klar. Ich will also nach Darjeeling und Sikkim und dann? Natuerlich zurueck nach Barai. Mehr dazu aber spaeter.

So.
DIES war mein Bericht ueber meine bisherige Zeit mit Dakshinayan.
"It was the worst of times, it was the best of times", um mein Erlebnis mit geliehenen Worten auszudruecken.

Photos gibt es bei meinen Eltern - koennen gemailt werden...

Antworten: 1 Kommentar

If God did not exist, it would be necessary to invent him. by texas holdem poker

geschrieben von texas hold'em @ 20/12/2004 10:39 PM MEZ

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